Aktuell: Titz auf Labbadias und Slomkas Spuren?
12.03.2018
Am Montag passierte beim Hamburger SV das, was viele Branchenkenner bereits vermutet und die „BILD-Zeitung“ schon am Sonntagabend vermeldet hatte: Die Vereinsverantwortlichen stellten Bernd Hollerbach (48) nur 49 Tage, nachdem er das Traineramt von Markus Gisdol (48) übernommen hatte (SportNord berichtete, siehe unten stehenden Link), frei und beförderten den bisherigen U21-Coach Christian Titz (46) zum neuen Übungsleiter der Bundesliga-Mannschaft, die als Vorletzter und mit sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsrang 16 bekanntermaßen in höchster Abstiegsgefahr schwebt.

Auf der Internet-Seite des HSV erklärte Vorstand Frank Wettstein: „Wir haben die sportliche Gesamtlage nach der 0:6-Niederlage in München intensiv analysiert und diskutiert. Am Ende sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass wir im Hinblick auf unsere Chancen im Kampf um den Klassenerhalt handeln mussten.“ In den sieben Partien unter Hollerbachs Regie waren die „Rothosen“ sieglos geblieben und hatten nur drei Zähler eingefahren ‒ zuletzt setzte es am Sonnabend eine 0:6-Pleite beim FC Bayern München. Hollerbachs bisherige Co-Trainer Rodolfo Esteban Cardoso und Steffen Rau, Torwart-Trainer Stefan Wächter sowie Team-Managerin Maria Wallenborn seien „von den bisherigen Aufgaben entbunden worden“, hieß es zudem auf „www.hsv.de“. Dagegen werde der bisherige Assistenzcoach Matthias Kreutzer auch zum Trainerteam von Titz gehören ‒ ebenso wie dessen bisheriger U21-Co-Trainer Soner Uysal und Nico Stremlau, der sich jüngst um das Torwart-Training des Regionalliga-Teams kümmerte. „Interimistische Unterstützung“, so die Ausdrucksweise auf der Internet-Seite des Vereins, werde das Trainerteam zudem von Thomas von Heesen erhalten, der „viele der Aufgaben des in der vergangenen Woche beurlaubten Direktors Profifußball (Jens Todt, Anmerkung der Redaktion) übernehmen und die operative Sportkompetenz gewährleisten“ werde.

Natürlich ließen die Häme und der Spott für die HSV-Verantwortlichen, nur sieben Wochen nach dem ersten Trainerwechsel in dieser Saison erneut eine Veränderung auf dieser Position vorzunehmen, in vielen Medien und den sozialen Netzwerken nicht lange auf sich warten. Fakt ist: Hollerbach, dessen Trainerkarriere in der Saison 2004/2005 beim VfL 93 Hamburg begann, weist mit einem Punkteschnitt von 0,43 Zählern pro Partie den schlechtesten Wert eines HSV-Trainers in der Bundesliga auf ‒ Peter Knäbel, der im Frühjahr 2015 für zwei Spiele die Verantwortung trug und beide verlor, nicht mit eingerechnet. Und die Entscheidung der damaligen Vereinsverantwortlichen Todt und Heribert Bruchhagen, Hollerbach zu verpflichten, war angesichts der Tatsache, dass er zuvor mit den Kickers Würzburg im Frühjahr 2017 sieglos geblieben war und nach einer starken Hinrunde den sofortigen Wiederabstieg aus der Zweiten Bundesliga nicht verhindern konnte, zumindest merkwürdig. Nun wurde sie korrigiert ‒ Titz wäre aufgrund seiner Erfolge, die er zunächst in der HSV-Jugend und seit Beginn dieser Saison bei der U21 (Spitzenreiter der Regionalliga Nord) feierte, auch schon am 21. Januar, als die Trennung von Gisdol beschlossen wurde, ein Kandidat für den Posten bei der Ersten Mannschaft gewesen.

Zwei Trainerwechsel innerhalb von einer Saison sind sicher kein Ruhmesblatt ‒ aber den seit Jahren strauchelnden „Rothosen“ brachten sie in den vergangenen vier Jahren zweimal die Rettung. Zur Erinnerung: Am 17. Februar 2014 folgte Mirko Slomka auf Bert van Maarwijk, der in 17 Spielen auf einen Punkteschnitt von 0,88 gekommen war und in 143 Tagen dem Vernehmen nach nicht allzu viele oder gar harte Übungseinheiten durchgeführt hatte ‒ und unter Slomka gelang der Klassenerhalt in der Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth. Traurig aber wahr: In der darauf folgenden Saison wiederholte sich das doppelte Trainer-Wechsel-Dich Spielchen ‒ mit dem Zusatz, dass nach Josef Zinnbauer, der in 24 Spielen einen Punkteschnitt von 1,0 aufwies und am 16. September 2014 Slomka ersetzt hatte, zunächst noch Knäbel auf der Trainerbank Platz nahm. Unter dem damaligen Direktor Profifußball der im Besitz einer Fußball-Lehrer-Lizenz ist, aber seltsam träge und emotionslos wirkte, setzte es zwei Niederlagen, ehe am 15. April 2015 Bruno Labbadia zum HSV zurückkehrte ‒ und in der Relegation gegen den Karlsruher SC die Rettung gelang. Somit bleibt dem Bundesliga-Dinosaurier zu wünschen, dass Titz sich auf die Spuren von Slomka und Labbadia begibt ...

Link: SportNord-Bericht vom 22.01.2018 über Bernd Hollerbachs Wechsel zum Hamburger SV


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