Aktuell: Wie geht es nach der Generalabsage weiter?
14.03.2020
Die Entscheidung des Präsidiums des Hamburger Fußball-Verbandes, die bis zum Monatsende im Hamburger Amateur-Bereich anstehenden Punkt-, Pokal- und Freundschaftsspiele abzusagen, war nicht nur richtig, sondern alternativlos. Um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, ist es die Pflicht jeder Institution, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, und die Pflicht eines jeden Menschen, nicht nur das Risiko einer eigenen Ansteckung, sondern vor allem auch das seiner Mitmenschen – gerade auch der, die der besonders gefährdeten Gruppe anzugehören – zu verhindern.

So schön der Fußball und gerade auch der Amateur-Fußball mit all seinen Facetten inklusive der „dritten Halbzeiten“ in Klubheimen, Kabinen oder anderen Lokalitäten ist. So bitter es gerade bei dem schönen, bestem Fußball-Wetter vom Sonnabend anmutete, dass nirgendwo der Ball rollte. All dies muss momentan zurückstehen hinter den deutlich wichtigeren Interessen, nämlich der Wahrung der Gesundheit und zumindest einer Verzögerung der Ausbreitung der Infektion, um die Ärzte und Krankenschwestern zu entlasten. Fußball ist in diesen Tagen absolute Nebensache. Punkt!


Wie geht es weiter?

Trotzdem muss es natürlich auch erlaubt sein, darüber nachzudenken, wann und wie es nun weitergeht:

Im Hamburger Amateur-Fußball.

Im norddeutschen Fußball und speziell in der Regionalliga Nord, deren Spiele stand jetzt nur bis einschließlich Montag, 16. März abgesagt wurden, wobei der Norddeutsche Fußball-Verband dieses Alleinstellungsmerkmal vermutlich bald „korrigieren“ wird.

Im gesamtdeutschen Fußball, in dem nicht nur das Rennen um die Deutsche Meisterschaft (mindestens vier Mannschaften haben noch alle Chancen), sondern auch das um den DFB-Pokal, dessen Halbfinals, für das sich unter anderem sensationell der 1. FC Saarbrücken (Regionalliga Südwest) qualifizierte, für den 22. April vorgesehen sind, offen ist.

Und im europäischen Fußball, denn neben vielen anderen europäischen Ligen sind aktuell auch die UEFA-Champions-League sowie die UEFA-Europa-League betroffen – und die Europameisterschaft könnte es ebenfalls tangieren.


Leider ist zu befürchten, dass die Probleme um das Coronavirus mit dem Ende der vom HFV-Präsidium aktuell auferlegten Auszeit am Dienstag, 31. März noch nicht ausgestanden sein werden. Eine Verlängerung der „Auszeit“ droht: Der Hamburger Handball-Verband etwa hat den Aktiven seiner Erwachsenen-Spielklassen bereits jetzt bis zum Sonntag, 19. April eine Pause auferlegt und die Saison in den Jugend-Ligen für beendet erklärt. Auch der Hamburger Volleyball-Verband hat die Serie 2019/2020 bereits vorzeitig beendet.


Wie lange dauert die Zwangspause?

Die für alle Beteiligten schönste Lösung – auch, weil sie ein schnelles Ende der Coronavirus-Ausbreitung bedeuten würde – wäre definitiv die, dass spätestens ab Mitte April der Ball wieder rollen kann und die Partien, die an den kommenden Wochenenden der Generalabsage zum Opfer fallen, noch nachgeholt werden können. Natürlich brächte dies „Englische Wochen“, die für Amateur-Spieler doppelt hart sind, mit sich; vielleicht müsste sogar so, wie im Frühjahr 2013, als witterungsbedingt erst ab Anfang April wieder ein geregelter Spielbetrieb möglich war, im Rhythmus Sonntag-Dienstag-Donnerstag gekickt werden.

Zu überdenken wäre in diesem Fall auch eine Saisonverlängerung: Entweder könnte auch während der Europameisterschaft, die am 12. Juni beginnen soll, noch der Ball rollen – die Aussicht, beispielsweise am zweiten Juni-Wochenende nachmittags ein Amateur-Spiel zu bestreiten und anschließend im TV EM-Partien zu verfolgen, klingt gar nicht schlecht. Oder die EM-Titelkämpfe werden auf den kommenden Sommer 2021 (oder den Winter?) verschoben, was neben den Amateur-Spielklassen auch Deutschlands Profi-Ligen und den europäischen Klub-Wettbewerben mehr Luft geben würde, die Serie 2019/2021 regulär zu beenden.

Aber leider muss angesichts der jüngsten Entwicklung auch ein anderes Szenario bedacht werden: Nämlich das, dass bis zum 30. Juni nicht mehr alle Spieltage absolviert werden können – oder möglicherweise vor dem Ende des ersten Halbjahres sogar gar nicht mehr der Ball rollen kann. Hier wären dann die HFV-Verantwortlichen gefragt, speziell in der Auf- und Abstiegsfrage eine Lösung zu finden, die so fair und gerecht ist, wie es denn möglich ist.


Lösungsvorschläge für den Fall, dass die Saison nicht beendet werden kann

Denkbar wären hier mehrere Modelle, die aber alle eines gemeinsam haben: Wirklich gerecht sind sie nicht!

Variante 1: Die Tabellenstände von jetzt, nach dem 22. Spieltag (in der Oberliga nach dem 25. Spieltag), sind zugleich das Abschlussklassement, nach dem die Auf- und Absteiger ermittelt werden. Bitter wäre dies für die Teams, die zurzeit nur einen knappen Rückstand auf den ersten Platz oder auf das „rettende Ufer“ haben. Benachteiligt wären hierbei vor allem die Mannschaften, die zuletzt unter Spielausfällen litten und weniger Gelegenheiten hatten, Punkte zu sammeln.

Variante 2: Von allen Teams wird der Punkte-Quotient (erreichte Punkte geteilt durch die Anzahl der absolvierten Spiele) ermittelt – und er entscheidet über die Abschlussplatzierung. Ähnlich verfährt der HFV bekanntlich bei der Ermittlung weiterer Aufsteiger neben den Meistern, wenn hierbei Teams aus mehr als zwei Staffeln infrage kommen. Benachteiligt wären hierbei vor allem die Spitzen-Mannschaften, die bisher erst einmal gegen „Kellerkinder“ antraten.

Variante 3: Alle derzeitigen Spitzenreiter von der Landesliga bis zur B-Kreisklasse steigen auf – was freilich ungerecht wäre für die Zweit- sowie Drittplatzierten, die aktuell ebenfalls noch Aufstiegschancen haben. Und im Gegenzug steigen von der Oberliga bis zur A-Kreisklasse jeweils die letztplatzierten Teams ab, was auch wiederum ungerecht wäre. Teilweise müsste es dann gegebenenfalls eine Liga-Aufstockung geben.

Variante 4: Alle derzeitigen Spitzenreiter von der Landesliga bis zur B-Kreisklasse steigen auf – was freilich ungerecht wäre für die Zweit- und Drittplatzierten, die aktuell ebenfalls noch Aufstiegschancen haben. Und im Gegenzug steigt gar keine Mannschaft ab, sondern die Ligen werden entsprechend für ein Jahr aufgestockt, was in der Saison 2020/2021 natürlich neben mehr Spieltagen auch einen vermehrten Abstieg im Sommer 2021 zur Folge hätte.

Variante 5: Es gibt nach dem Vorbild anderer Sportarten, etwa dem Basketball und dem Eishockey, Play-Off-Spiele, in denen beispielsweise die Top-Vier-Teams einer Liga den Staffelmeister und Aufsteiger ermitteln, sowie Play-Down-Spiele, in denen etwa die schlechtesten vier Mannschaften einer Liga den beziehungsweise die Absteiger ermitteln. Benachteiligt wären hierbei die Teams, die aktuell etwa mit einem knappen Rückstand auf die vier vor ihnen liegenden Teams nur Tabellen-Fünfter sind – und die Spitzenreiter, die zurzeit einen so klaren Vorsprung auf den Zweitplatzierten haben, dass ihnen der Titelgewinn kaum noch zu nehmen ist, wie beispielsweise der VfL Lohbrügge, der in der Landesliga Hansa bei acht noch offenen Partien sagenhafte 19 (!) Punkte mehr als der Rang-Zweite ASV Hamburg aufweist.

Variante 6: Es gibt Relegationsspiele zwischen den besten Landes- und den schlechtesten Oberligisten, den besten Bezirks- und den schlechtesten Landesligisten, den besten Kreis- und den schlechtesten Bezirksligisten, den besten A-Kreisklassen-Teams und den schlechtesten Kreisligisten sowie den besten B-Kreisklassen-Vertretern und den schlechtesten A-Klassen-Mannschaften. Die Sieger dieser Paarungen, die ausgelost werden könnten, starten in der kommenden Saison in der höheren Liga, während die Verlierer in der niedrigeren Klasse antreten müssen. Benachteiligt wären auch hierbei vor allem die Spitzenreiter, die aktuell einen so klaren Vorsprung auf den Zweitplatzierten haben, dass ihnen der Titelgewinn kaum noch zu nehmen ist, wie beispielsweise die Hausbruch-Neugrabener TS, die in der Kreisliga 1 bei acht noch offenen Begegnungen satte 16 Zähler mehr als der Tabellen-Zweite Zonguldakspor hat.

Variante 7: Es gibt in diesem Sommer gar keine Auf- und Absteiger. Stattdessen starten die Teams in die Saison 2020/2021 noch einmal in dieselbe Spielklasse wie im vergangenen Sommer. Auch bei dieser Regelung wären vor allem die Spitzenreiter, die aktuell einen klaren Vorsprung auf den Zweitplatzierten haben, wie beispielsweise der SC Condor III, der in der A-Kreisklasse 3 bei nur sieben noch offenen Duellen immerhin zwölf Zähler vor dem Rang-Zweiten SV Altengamme IV liegt. Fraglich wäre zudem, wie in den Spielklassen verfahren wird, aus denen sich im Laufe der aktuellen Serie Mannschaften zurückzogen, da es nicht gerecht wäre, auch diesen Teams erneut einen Startplatz in derselben Liga einzuräumen, falls sie diesen überhaupt einnehmen könnten.


Sie, liebe Leser, können gerne Ihre Meinung zu diesen Varianten in einem Kommentar unter diesem Artikel kundtun und eigene, alternative Vorschläge machen!


Verlängerung der Saison bis zum November und Umstellung der Fußball-Spielzeiten auf das Kalenderjahr?

Aber, seien wir einmal ehrlich: Wirklich fair und überzeugend ist keine der genannten Varianten. Deshalb sollte unter Umständen, falls absehbar ist, dass bis Ende Juni aufgrund der Bekämpfung der Pandemie weder im Profi- noch im Amateur-Bereich der Ball rollen kann, darüber nachgedacht werden, die Saison 2019/2020 erst im Herbst zu beenden. Damit einhergehen könnte eine Umstellung der Spielzeiten auf das Kalenderjahr, sprich die kommenden Saisons würden dann immer etwa im März beginnen und Ende November/Anfang Dezember enden – vielleicht mit einer Pause in den Schulsommerferien. Dies wäre natürlich nur dann umsetzbar, wenn eine solche Umstellung nicht nur im Amateur-Bereich des Deutschen Fußball-Bundes, sondern auch im Profi-Bereich und in allen anderen europäischen Ligen so vorgenommen werden würde.

Passen würde eine solche Veränderung zu der geplanten Winter-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Darüber, ob zukünftige WM- und EM-Titelkämpfe dann ebenfalls im Winter, oder wieder im Sommer während einer Saison-Pause stattfinden, müsste dann diskutiert werden. Aber Fakt ist: Die Profi-Ligen könnten, der Rasenheizungen in den Stadien sei dank, ihren Saisonstart ja auch schon im Januar oder Februar begehen. Und in der Vergangenheit gab es immer wieder Stimmen von Verantwortlichen und Spielern, die es bedauerten, im Juni bei bestem Fußballwetter pausieren zu müssen, dafür aber im November und Februar bei unschönen Bedingungen dem Ball hinterherjagen zu müssen …


So könnte die Saison 2021 im Hamburger Amateur-Bereich terminiert werden:

Wochenende 19. März bis 21. März 2021: Erster Spieltag
Wochenende 26. März bis 28. März 2021: Zweiter Spieltag
Wochenende 2. April bis 5. April 2021: Ostern (deshalb höchstens Pokal- und Nachholspiele)
Wochenende 9. April bis 11. April 2021: Dritter Spieltag
Wochenende 16. April bis 18. April 2021: Vierter Spieltag
Wochenende 23. April bis 25. April 2021: Fünfter Spieltag
Wochenende 30. April bis 2. Mai 2021: Sechster Spieltag
Wochenende 7. Mai bis 9. Mai 2021: Siebter Spieltag
Wochenende 14. Mai bis 16. Mai 2021: Achter Spieltag
Wochenende 21. Mai bis 24. Mai 2021: Pfingsten (deshalb höchstens Pokal- und Nachholspiele)
Wochenende 28. Mai bis 30. Mai 2021: Neunter Spieltag
Wochenende 4. Juni bis 6. Juni 2021: Zehnter Spieltag
Wochenende 11. Juni bis 13. Juni 2021: Elfter Spieltag
Wochenende 18. Juni bis 20. Juni 2021: Zwölfter Spieltag

Sommerpause (da Hamburger Schulsommerferien vom Donnerstag, 24. Juni bis Mittwoch, 4. August 2021)

Wochenende 6. August bis 8. August 2021: 13. Spieltag
Wochenende 13. August bis 15. August 2021: 14. Spieltag
Wochenende 20. August bis 22. August 2021: 15. Spieltag (Ende der Hinrunde)
Wochenende 27. August bis 29. August 2021: 16. Spieltag
Wochenende 3. September bis 5. September 2021: 17. Spieltag
Wochenende 10. September bis 12. September 2021: 18. Spieltag
Wochenende 17. September bis 18. September 2021: 19. Spieltag
Wochenende 24. September bis 26. September 2021: 20. Spieltag
Wochenende 1. Oktober bis 3. Oktober 2021: 21. Spieltag
Wochenende 8. Oktober bis 10. Oktober 2021: 22. Spieltag
Wochenende 15. Oktober bis 17. Oktober 2021: 23. Spieltag
Wochenende 22. Oktober bis 24. Oktober 2021: 24. Spieltag
Wochenende 29. Oktober bis 31. Oktober 2021: 25. Spieltag
Wochenende 5. November bis 7. November 2021: 26. Spieltag
Wochenende 12. November bis 14. November 2021: 27. Spieltag
Wochenende 19. November bis 21. November 2021: 28. Spieltag
Wochenende 26. November bis 28. November 2021: 29. Spieltag
Wochenende 3. Dezember bis 5. Dezember 2021: 30. Spieltag

Ein früherer Beginn schon am zweiten oder ersten März-Wochenende hätte zugleich ein früheres Ende Mitte beziehungsweise Ende November zur Folge. Zwei Nachteile hätte diese Regelung: Erstens wären Spielausfälle im November doppelt ärgerlich, weil es dann kaum noch möglich wäre, Nachholtermine zu finden – was aber, da immer mehr Kunstrasenplätze entstehen, beispielswiese durch vorzeitigen Heimrecht-Tausch (im Sommer spielt das Team ohne Kunstrasen zuhause, im November hat die Mannschaft mit Kunstrasen Heimrecht) ausgeglichen werden könnte. Und die Ansetzung der Pokalspiele, deren Zweit- und Drittrunden-Duelle aktuell zwischen dem ersten und zweiten Spieltag beziehungsweise zwischen dem zweiten sowie dritten Spieltag stattfinden, müsste möglicherweise ein neuer Termin gefunden werden.


Auch hier sind wir sehr gespannt auf die Meinung von Ihnen, liebe Leser, die Sie gerne in Kommentar-Form kundtun können!

Link: SportNord-Bericht vom 13.03.2020 über die Generalabsage des Hamburger Fußball-Verbandes


Kommentare zum Artikel:
- Lageentwicklung (magic_05 15.03.2020 20:04)
- Saison beenden! (Roberto 15.03.2020 10:00)





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