Aktuell: Referee Henkel spendete Knochenmark
20.07.2009
Schiedsrichter Christian Henkel (vom VfL Lohbrügge) spendete im März 2009 Knochenmark für eine 21-jährige Schwedin, die schwer an Leukämie erkrankt war, und für die es nur eine Überlebenschance gab: Eine Stammzellentherapie. Dabei werden die kranken Stammzellen abgetötet und gesunde Stammzellen dem Körper zugeführt. Dieses ist eine lange und für die erkrankte Person anstrengende Leidenszeit.

Für diese Stammzellenspende werden Spender benötigt, die quasi ein ‚genetischer Zwilling‘ des Erkrankten sind. Die Chance, jemanden zu finden, ist minimal. Daher ist es erforderlich, dass möglichst viele Menschen sich registrieren lassen. In Deutschland sind demnächst zwei Millionen Menschen registriert. Henkel erfuhr unterdessen, dass die junge Schwedin auf einem guten Weg ist: „Ich habe Post von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei erhalten – der Patientin geht es gut, die transplantierten Zellen sind gut angenommen worden. Sie konnte das Krankenhaus bereits verlassen und erholt sich jetzt zu Hause“, berichtete der Unparteiische gegenüber SportNord.


Henkel hat es sich nun zum Ziel gesetzt, mehr Menschen für das Thema Knochenmarkspende zu sensibilisieren, und erklärte bei SportNord noch einmal ausführlich den Sinn und Ablauf einer Knochenmarkspende:


„Alle 45 Minuten wird alleine in Deutschland die Diagnose festgestellt: Leukämie. Das sind 32 Deutsche pro Tag und 11.680 pro Jahr. Viele der Betroffenen sind Kinder und Jugendliche. Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die vom Knochenmark ausgeht. Es beginnt dann für die erkrankte Person eine lange Leidenszeit. Einigen Patienten kann durch Chemo- oder Strahlen-Therapie geholfen werden.

Für viele Patienten allerdings ist die einzige Hoffnung auf Überleben eine Übertragung von Stammzellen, auch ‚Knochenmarktransplantation‘ genannt. Ausdrücklich sei hier erwähnt, dass es sich nicht um eine Rückenmarktransplantation handelt. Der kranke Patient benötigt sozusagen einen ‚genetischen Zwilling‘, dessen Stammzellen er bekommen kann.

Um Stammzellen-Spender zu werden, kann sich jeder im Alter von 18 bis 55 Jahren bei der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, registrieren lassen. Dieses geschieht entweder bei Aktionen, die privat veranstaltet werden (wie zuletzt in Hamburg für ein neugeborenes Mädchen, welches mit Leukämie auf die Welt kam), oder man kann über die DKMS Unterlagen anfordern (www.dkms.de), und die Typisierung zu Hause mittels Wangenabstrich vornehmen. Nähere Informationen hierzu gibt es auf der Homepage der DKMS.

Wichtig: Mit der bloßen Registrierung geht man noch keine Verpflichtung zur Stammzellenspende ein! Aktuell sind in Deutschland rund 1,85 Millionen Menschen registriert, bei einer Einwohnerzahl von rund 82 Millionen eine viel zu geringe Anzahl. Ich selber habe mich im Rahmen eines öffentlichen Aufrufes der Feuerwehr Elmenhorst im März 2006 für einen 16-jährigen Jungen typisieren lassen.

Heiligabend 2008 hatte ich Post von der DKMS bekommen, dass ich evenmtuell als Spender in Frage kommen könnte. Dazu waren weitere Untersuchungen mittels Blutabnahme erforderlich. Nach Auswertung der weitergehenden Typisierung habe ich am 27. Februar 2009 von der DKMS erfahren, dass ich spendenfähig sei. So war ich am 5. März 2009 in Dresden zur letzten Voruntersuchung. Neben einem gründlichen Check-up, Aufklärung und möglicher Risiken (die absolut minimal sind) konnte ich den Spender-Raum kennen lernen. Wöchentlich werden in der Entnahme-Klinik Dresden etwa 20 Entnahmen getätigt.

Fünf Tage vorher musste ich mir ein Hormon spritzen, welches das Wachstum der Stammzellen anregt (das ist überhaupt nicht schlimm, es tut nicht weh). Bei mir waren die beschriebenen Nebenwirkungen (grippeähnliche Symptome sowie Rücken- und Kopfschmerzen) nur minimal.

Am Mittwochabend, 18. März.2009, bin ich nach Dresden geflogen, am Donnerstag um 8 Uhr war ich dann ‚dran‘. Wer jetzt Angst hat, dass man operiert wird oder ähnliches, den kann ich beruhigen: Die Stammzellenspende erfolgt mittels Blutabnahme, die Stammzellen werden absorbiert und das Blut wird dem Körper zugeführt. Diese Prozedur dauert etwa vier Stunden. Während dieser Zeit sitzt man liegend auf dem bequemen Stuhl, kann Fernsehen gucken (es gibt eine große Anzahl DVDs, aus denen man auswählen kann), lesen, essen und trinken. Im Prinzip ist es wie eine Blutspende, die nur wesentlich länger dauert.

Nach rund vier Stunden ist alles vorbei: Nach dem Aufstehen war mir sehr wackelig auf den Beinen, was nach kurzer Zeit aber vorbei war. Anschließend bin ich ins Hotel zurückgefahren und habe mich etwas ausgeruht. Danach ging es mir wieder gut, so dass ich abends auch noch in die Semperoper gehen konnte. Diese Art der Lebensspende ist für den Spender einfach. Übrigens werden sämtliche Kosten, einschließlich Verdienstausfall auch für eine mögliche zweite Person, die einen zur Spende begleiten kann, von der DKMS getragen, die das Geld für die Spende von der Krankenkasse des betroffenen Patienten bekommt. Außer dem Zeiteinsatz hat der Spender keine Kosten.

Ich möchte nun alle für das Thema sensibilisieren und zum Nachdenken anregen, ob man sich vielleicht typisieren lassen sollte. Denn Leukämie kann jeden von uns treffen! Ich freue mich sehr, dass ich durch die Stammzellenspende möglicherweise einem Menschen zu einem normalen Leben verhelfen kann.

Die DKMS gibt es seit 1991. Seit 1994 ist die Anfangsförderung des Bundes ausgelaufen, so dass die DKMS auf Spenden angewiesen ist. Eine Typisierung ist für einen möglichen Spender kostenfrei. Der DKMS entstehen pro Typisierung Kosten von 50 Euro, die ausschließlich über Spendengelder finanziert werden. Dazu benötigt die DKMS natürlich auch Spenden.

In der nächsten Woche erfahre ich, wo meine Spende hingegangen ist ...“


Das Spendenkonto der DKMS: Kontonummer 255556, KSK Tübingen, Bankleitzahl 64150020.


(JSp)

Link: Zur Internet-Seite der Deutschen Knochenmarkspenderdatei


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