A-Junioren-Regionalliga: Jung-Elstern ohne Spieler?
16.12.2009
Ihr letztes Spiel des Jahres gewann die A-Jugend des JFV Jung-Elstern am zweiten Adventssonntag beim BSV Kickers Emden mit 3:2. Alexander Pohlmann (10.) und Alpaslan Arslan (22., 33.) trafen für die Jung-Elstern, deren dunkelhäutiger Torwart Maximilian Hentrich in der zweiten Halbzeit von den Emdern rassistisch beleidigt wurde. In der A-Junioren-Regionalliga Nord liegen die Jung-Elstern nun mit 18 Punkten aus 13 Partien auf Platz sechs.

Am Montag, 14. Dezember, kam es bei den Jung-Elstern aber zum großen Knall: Trainer Gerd Dreller trat zurück, und auch die Spieler wollen den JFV in der Winterpause geschlossen verlassen. SportNord sprach mit Dreller, der am 9. November 2006 die A-Jugend des SC Vier- und Marschlande (spielte damals in der A-Junioren-Bundesliga) übernommen hatte (SportNord berichtete, siehe unten stehenden Link) und auch nach dem Beitritt der SCVM-Jugend zu den Jung-Elstern Coach geblieben war, über die Gründe für seinen Rücktritt und die Zukunftsperspektiven ...


SportNord: Wie kam es zu Ihrem Rücktritt?
Gerd Dreller: „Ich bin am Montag, 14. Dezember, wegen den katastrophalen internen Zuständen zurückgetreten. Es mangelt einfach an Vertrauen zwischen dem Ersten Vorsitzenden des JFV, Herrn Matthias Hammer, und mir – das hat sich über mehrere Wochen gezeigt und nun dazu geführt, dass ich diese Konsequenzen ziehen musste. Wissen Sie, seit über einem halben Jahr mussten wir unser Trainingsequipment selbst bezahlen und konnten uns nur Trikots leisten, weil wir dafür das Geld bei Sponsoren eingesammelt haben – so ging es einfach nicht mehr weiter ...“

SportNord: Wurde Ihre Arbeit nicht ausreichend gewürdigt?
Dreller: „Wir reden hier über eine Arbeit, die mit der Betreuung einer Regionalliga-Mannschaft verbunden ist: Wir trainieren vier Mal pro Woche und spielen in der zweithöchsten Spielklasse, die es in diesem Altersbereich in Deutschland gibt. Dennoch mussten wir unsere Fahrten zu den Auswärtsspielen teilweise selbst finanzieren, hatten keine einheitliche Kleidung um uns als ‚JFV Jung-Elstern‘ darzustellen, und waren bei der Trainingsplatzbelegung auf uns selbst gestellt, was wiederum auch am im Sommer 2009 erfolgten Austritt des SC Vier- und Marschlande aus dem JFV lag.“

SportNord: Im Billtal-Stadion ist ein neuer Kunstrasenplatz entstanden – durfte Ihr Team dort trainieren?
Dreller: „Ja, ein Mal durften wir im Billtal-Stadion trainieren. Dann kam es zu einem Schadensfall, den uns der Erste Vorsitzende anlastete. Deshalb haben wir von Herr Hammer Stadion-Verbot bekommen – angeblich, um die Wogen zu glätten ... Fakt ist: Das Tischtuch zwischen Herrn Hammer und mir ist zerschnitten, denn er hat meine Forderungen nach normalen Standards, die es wohl bei allen anderen A-Junioren-Regionalligisten gibt und die dieser Spielklasse nur angemessen sind, als persönliche Anfeindungen angesehen!“

SportNord: Wie geht es nun mit der A-Jugend der Jung-Elstern weiter? Es gibt Gerüchte, dass Alfred Gerdts, den Sie im November 2006 beim SCVM beerbten, nun Ihr Nachfolger werden soll ...
Dreller: „Ich kann dazu nur sagen, dass die A-Jugend-Spieler am Montagabend geschlossen zum Ersten Vorsitzenden gegangen sind. Sie haben Ihren Unmut deutlich kundgetan und Herrn Hammer gesagt, dass sie zum Jahresende aus dem JFV austreten wollen ...“

SportNord: ... hätten Sie mit so viel Rückendeckung von Seiten der Spieler gerechnet?
Dreller: „Ich finde diese Loyalität, die die Spieler mir gegenüber an den Tag legen, sehr rührend. Ich denke, sie hat auch damit zu tun, dass ich viele Spieler habe, die aus so genannten sozialen Brennpunkten kommen. Ich habe es stets als meine Aufgabe angesehen, sie nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch außerhalb, beispielsweise im sozialen Bereich, zu integrieren. Und das wissen die Spieler, die allesamt hervorragende Jungs sind, zu schätzen!“

SportNord: Aber wie soll es nun für die Spieler weitergehen, wenn Sie die Jung-Elstern in der Winterpause verlassen?
Dreller: „Ob die Spieler es wirklich geschlossen durchziehen, den JFV zu verlassen, weiß ich nicht – denn die Vereinsverantwortlichen haben schon damit gedroht, die Spieler in diesem Fall zu sperren. Jeder weiß, dass Vereinswechsel im Winter nicht einfach sind ... Und wir reden hier über Spieler des 91ziger-Jahrganges, die vor ihrem letzten halben Jahr im Junioren-Bereich stehen und sich für interessante Vereine im Herren-Bereich empfehlen wollen. Deshalb muss jeder Spieler für sich alleine entscheiden, ob er die Jung-Elstern wirklich verlassen will – ich habe mich selbst nur aus der Schusslinie genommen, damit die Herren im JFV ruhig weiterarbeiten können. Ich fürchte allerdings, dass sich die Bedingungen unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht verbessern werden!“

SportNord: Könnten Sie sich vorstellen, als Trainer weiterzumachen, wenn Matthias Hammer zurücktreten sollte?
Dreller: „Oh, vorstellbar ist grundsätzlich alles – und für die Jungs und die gute Idee des JFV würde ich meine Eitelkeiten hinten anstellen. Sprich: Wenn die Spieler und der neue Vorstand mit mir zusammenarbeiten wollen würden und der Vorstand signalisiert, dass es weiter vorangehen würde, würde ich weiter zur Verfügung stehen. Aber ich glaube nicht, dass Herr Hammer zurücktreten wird – das ist seiner Persönlichkeit geschuldet ... Und der jetzige Vorstand ist ja auch nur pro forma im Amt und noch nicht einmal gewählt worden!“

SportNord: Wie hat der Vorstand der Jung-Elstern auf Ihren Rücktritt reagiert?
Dreller: „Die offizielle Version besagt, dass Herr Hammer mir aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt hat – ich bin angeblich zu teuer ... Dabei haben die Vereinsverantwortlichen es wohl nicht mehr auf ihrer Rechnung gehabt, dass ich bisher aus jedem Jahrgang die meisten Spieler in der Oberliga Hamburg untergebracht habe: Alleine im Sommer 2009 sind sechs Spieler ins Team des FC Bergedorf 85 gegangen. Für diese Spieler mussten die Bergedorfer keine Ablösesumme bezahlen – ob ihre neue Wirtschaftlichkeitsrechnung nun wirklich aufgeht? Aber an diesen Gedankenspielen sieht man auch, dass man diese Vorgänge reduzieren muss auf das Verhältnis zwischen dem Vorstand und mir – da gibt es einfach eine unüberbrückbare Disharmonie ...“

SportNord: Und wie geht es für Sie weiter, wenn Hammer Präsident der Jung-Elstern bleibt?
Dreller: „Ich genieße nun erst einmal die freien Tage, an denen ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss, wann und wo ich mit meinem Team trainieren darf. Beim JFV war der nötige Respekt, den sich jeder Mensch für seine Arbeit wünscht, einfach nicht mehr vorhanden. Ich habe aber die Hoffnung, dass es für mich irgendwann weitergeht – ob in diesem Verein oder einem anderen, wird sich zeigen. Wenn Angebote kommen, wäre ich dafür offen und würde sie mir anhören – und wenn nicht, genieße ich meine freie Zeit ...“

Interview: Johannes Speckner

Link: SportNord-Bericht vom 09.11.2006 über Gerd Drellers Wechsel zum SC Vier- und Marschlande


Kommentare zum Artikel:
- RE: nun doch ? (bifi 21.12.2009 21:14)
- RE: nun doch ? (stefanofussi 21.12.2009 20:56)
- RE: nun doch ? (bifi 21.12.2009 18:15)
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