Aktuell: ETV kämpft um Bleiberecht für Ceesay
14.06.2011
Der Hamburger Oddset-Pokal-Sieger und Hammonia-Landesligist Eimsbütteler TV kämpft verzweifelt um ein Bleiberecht seines A-Jugend-Spielers Saikou Ceesay. Der junge Fußballspieler soll in sein Heimatland Gambia abgeschoben werden, nachdem er beim Transport von Marihuana erwischt wurde. Anja Jeschke vom ETV ließ SportNord nun einen Brief zukommen, der in dieser Woche auch an den Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) geht:


„Die Entscheidung über Saikous weiteres Leben wird am 20. Juni 2011 gefällt.

Die Zeit läuft uns davon ...

Am Mittwoch, 8. Juni 2011 hat die Härtefallkommission entschieden, dass Saikou C. nach Gambia abgeschoben werden soll.

Wir alle möchten Sie von ganzem Herzen darum bitten, Saikou zu helfen in Hamburg zu bleiben.

Saikou C. hat aufgrund seines guten Hauptschulabschlusses, welchen er in nur zwei Jahren an der Gewerbeschule Nettelnburg absolviert hat, einen Ausbildungsvertrag zum 01. August 2011 unterschreiben können. Er ist täglich bestrebt sich weiterzubilden und sich somit bestens zu integrieren.

Sein größter Wunsch ist es diese Ausbildung in Hamburg absolvieren zu dürfen.

Die Gründe der Ablehnung der Härtefallkommission wurden mit dem angeblichen Drogenbesitz im Jahre 2010 begründet. Ein Gericht hat eindeutig seine Unschuld festgestellt und ihn frei gesprochen!

Saikou hat sich damals aus Naivität, Angst und Unwissenheit von angeblichen Freunden dazu verleiten lassen, Marihuana zu transportieren. Nur zu transportieren ... Dieses waren falsche Freunde; doch das hat Saikou zu spät gemerkt und sich von Ihnen distanziert.

Ansonsten hat sich Saikou während seines ganzen Aufenthaltes nichts zu Schulden kommen lassen. Er war uns ist immer bestrebt nett, freundlich und zuvorkommend auf die Menschen zuzugehen, von ihnen zu lernen und ihren Anforderungen gerecht zu werden. Er hat in den Schulferien ein freiwilliges Praktikum gemacht, um sich eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu erarbeiten. Er hat nicht einen Tag auf der faulen Haut gelegen; er hat Nachhilfeunterricht genommen und mit Freunden in jeder freien Minute gelernt, um seine Noten in der Hauptschule zu verbessern.

Er wollte alles richtig machen, weil man ihm versichert hat, in Deutschland bleiben zu dürfen, wenn er sich durch seine Leistungen in der Schule einen Arbeitsplatz erarbeiten würde.

Das hat er getan!!! in jeder freien Minute mit seiner ganzen Kraft.

Er hat hier Freunde und Familie gefunden. Genau das was er in Gambia nicht hat. Er bekommt hier Hilfe; hier kann er für die Zukunft lernen. Mit einer Ausbildung in Deutschland könnte er vielleicht später in Gambia viel erreichen.

Aber was würde ihn jetzt dort erwarten ...?

Sein Vater wurde ermordet; er musste alles mit ansehen. Seine Mutter verstarb auf ungeklärte Weise in einem Krankenhaus. Dieses wäre für ein deutsches Kind bereits nicht zu bewältigen. Saikou hatte aber niemanden, der ihn aufgefangen hat. Und ein 16-Jähriger, der schon eine Flucht auf dramatische Weise mitmachen musste und unschuldig eine Woche in Abschiebehaft gesessen hat, ist sein Leben lang traumatisiert.

Saikou hat in Hamburg eine Familie gefunden, die bereits die Vormundschaft für ihn beantragt hat, und er hat Freunde gefunden, die ihm auch weiterhin bei der Integration helfen werden.

Alle sind für ihn da, jeder hilft ihm, jeder mag ihn.

Saikou würde sich von ganzem Herzen wünschen, dass die Politiker, welche in der Härtefallkommission für eine Abschiebung gestimmt haben, ihm die Möglichkeit geben würden, ihn kennen zu lernen und ihm zuzuhören.

Wir wünschen uns Unterstützung für Saikou. Er ist so verzweifelt. Er kann nicht mehr essen und schlafen; seine Gedanken drehen sich nur um die drohende Abschiebung.

Wir appellieren an die Menschlichkeit und Gerechtigkeit in Hamburg. Wir bitten von ganzem Herzen um die Unterstützung, dass ein Jugendlicher, welcher sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, die Möglichkeit auf einen fairen Start ins Leben bekommt!

Sogar Straftäter, ob Deutscher oder Ausländer, bekommen in unserem Land eine zweite Chance – Saikou hat sie so sehr verdient.

Bitte helfen Sie uns bei dem Kampf um Saikous Bleiberecht!“


(JSp)



Kommentare zum Artikel:
- RE: Integration (Amateurfußball 14.06.2011 19:17)
- RE: Integration (ichauch 14.06.2011 17:59)
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